Demokratie

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AK Demokratie und Flucht
Flüchtlinge im Spiegel politischer Theorien

Flüchtlinge sind in vielfältiger Weise vom internationalen Recht sowie von nationaler Gesetzgebung betroffen, ohne dass sie auf diese Gesetze demokratisch einwirken könnten. Im Unterschied zu den Bürger*innen eines demokratischen Staates gelten sie nämlich nicht als Teil des sich selbst regierenden ‚Volkes’. Dieses Problem politischer Exklusion und die daraus resultierenden Kämpfe um Inklusion sind seit langem Thema theoretischer Reflexion im Allgemeinen und demokratietheoretischer Fragestellungen im Besonderen.

Der Arbeitskreis „Demokratie und Flucht“ macht es sich zur Aufgabe, theoretische Konzepte zu identifizieren, die durch ihre Ausrichtung auf Inklusions- und Exklusionsfragen Ansatzpunkte für die Übertragung auf die Flüchtlingsthematik liefern. Auch wenn sich die jeweiligen Ansätze aus der Politischen Theorie und Philosophie oftmals nicht unmittelbar mit dem Thema Flucht auseinandersetzen, können die in ihnen entwickelten Argumentationen doch dazu beitragen, die mit Flucht und Exklusion verbundenen Problemlagen deutlicher zu artikulieren, neue Perspektiven auf sie zu gewinnen und dadurch auch die Möglichkeiten eines argumentativen Austauschs über das Thema zu erweitern. Dabei gehen wir der Vermutung nach, dass sich etwa repräsentationstheoretische, demokratietheoretische aber auch hegemonietheoretische, postkoloniale oder kommunitaristische Konzepte nicht nur gewinnbringend auf das Thema ‚anwenden’ lassen, sondern diese Ansätze auch umgekehrt von solcher Anwendung profitieren können, insofern sie dadurch ‚erprobt’ und ggf. auch modifiziert und weiterentwickelt werden können.

Konkrete Themen, die sich in diesem Zusammenhang ergeben, reichen von der Frage nach der Integrationsfähigkeit moderner Gesellschaften und transkultureller Kommunikationsverfahren bis hin zu den Chancen und Problemen politischer Repräsentation und der Frage nach dem Status und den Grenzen des demos: Wie ist das Verhältnis von universalistisch begründetem Flüchtlingsschutz und der demokratischen Selbstgesetzgebung partikularer politischer Gemeinwesen zu verstehen? Stehen beide in einem Widerspruch zueinander, oder lässt sich der Flüchtlingsschutz gar mit demokratischen Mitteln selbst stärken und vorantreiben?Welches Verständnis von Demokratie wäre hierfür zu entwickeln? Und welche Rolle spielen darin die bereits etablierten Strukturen der Selbstorganisationen von Geflüchteten und ihre Proteste der letzten Jahre und Jahrzehnte?

Die Mitglieder des AKs treffen sich mehrmals im Jahr, um sich etwa in Form von informellen Workshops zu einzelnen Autor*innen, Theorien oder spezifischen Fragestellungen zum Thema auszutauschen, oder auch um eigene wissenschaftliche Arbeiten einander vorzustellen und sie gemeinsam kritisch zu diskutieren. Der Arbeitskreis ist für alle Interessierten offen – wir freuen uns über Zuwachs.