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AK Flucht und Gender

Wissenschaftler*innen in der Fluchtforschung widmen sich aus diversen disziplinären Perspektiven der Analyse geschlechtsspezifischer Erfahrungen von und Gefahren für Geflüchtete. Anknüpfend an Debatten in der Geschlechterforschung bzw. Gender Studies interpretieren Studien in der Fluchtforschung Geschlecht gemeinhin als soziale Kategorie, die mit gesellschaftlichen Zuschreibungen, Erwartungen und Normen im Zusammenhang steht. Inspiriert von Intersektionalitätsdebatten reflektieren Analyse auch weitere Kategorien und damit verbundene Dominanzverhältnisse (z.B. Alter, Klasse, Ethnizität, etc.) in Fluchtprozessen.

Während die internationale Forschungsliteratur bereits seit den 1980er Jahren kontinuierlich wächst, nimmt die Aufmerksamkeit in der deutschsprachigen Fluchtforschung in den letzten Jahren stark zu. Anhand der Forschungen zeigt sich, dass Geschlecht gesellschaftlich bedingt, kontextabhängig und dynamisch sowie Flucht vergeschlechtlicht konzipiert ist. Verfolgung und andere Gefahren sowie Erfahrungen von Flucht und Aufnahmesituationen haben soziale geschlechtsspezifische Konsequenzen für die Menschen. Zudem verdeutlichen Analysen, dass rechtliche, politische und humanitäre Verfahren keinesfalls ‚geschlechtsneutral‘ sind. In der Vergangenheit wurde etwa eine unzureichende Berücksichtigung von Fluchtgründen und Schutzbedarfen geflüchteter Frauen und jüngst auch LGBTIQ*-Personen kritisiert. Dies hat nicht zuletzt Veränderungen hin zu erweiterten Auslegungen der Flüchtlingsdefinition und Bereitstellungen von Schutzmaßnahmen befördert.

Der Arbeitskreis Flucht und Gender befasst sich mit diesen und weiteren Aspekten. In der offenen Gestaltung dient der Arbeitskreis als Plattform für Austausch und Informationen, um Debatten zu fördern. Relevant ist hierfür auch die Reihe des AK Flucht und Gender im FluchtforschungsBlog.

Interessierte, die im Arbeitskreis mitwirken möchten, können sich gern an die Koordinatorinnen wenden. Der Arbeitskreis lebt von offenen Debatten und Aktivitäten aller Mitglieder.

 

Blogreihe

Alle Beiträge der Reihe des AK Flucht und Gender im FluchtforschungsBlog sind online zugänglich.

 

Koordinatorinnen und Kontakt:

Ulrike Krause, Universität Osnabrück (ulrike.krause(at)uni-osnabrueck.de)

Karin Scherschel, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (Karin.Scherschel(at)ku.de)

 

Mitglieder und ihre Anbindungen:

Ulrike Krause, Universität Osnabrück

Sayed Mahdi Mosawi, Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI)

Beatrice Odierna, LMU München

Madeleine Sauer, TU Chemnitz

Paul Scheibelhofer, Universität Innsbruck

Karin Scherschel, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

Melanie Schmitt, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

Matthias Schneider, Goethe Universität Frankfurt am Main

Nadine Segadlo, Universität Osnabrück

Khulud Sharif-Ali, Hochschule Fulda

Julia Stier, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)

Petra Sußner, DFG-Forschungsgruppe Recht-Geschlecht-Kollektivität, Humboldt-Universität Berlin

Michale Tunç, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

Johanna Ullmann, IMIS, Universität Osnabrück

Nathalie Welfens, Universität von Amsterdam

Janna Wessels, Vrije Universiteit Amsterdam und Justus-Liebig Universität Gießen

 

Auswahl relevanter Publikationen der Mitglieder des AK Flucht und Gender:

Braun, Philipp, Dörr, Patrick und Träbert, Alva (2020), ‘Bundesverfassungsgericht: Geheimhaltung der sexuellen Orientierung unzumutbar. Anmerkung’, Asylmagazin 2020 (3), 81-85.

Buckley-Zistel, Susanne und Krause, Ulrike (Hrsg.) (2017), Gender, Violence, Refugees (Studies in Forced Migration, 37; New York, Oxford: Berghahn).

Jungwirth, Ingrid und Scherschel, Karin (2010), ‘Ungleich prekär – Zum Verhältnis von Arbeit, Migration und Geschlecht’, in Manske, Alexandra und Pühl, Katharina (Hrsg.), Prekarisierung zwischen Anomie und Normalisierung? Geschlechtertheoretische Bestimmungsversuche (Münster: Westfälisches Dampfboot), 110-132.

Krämer, Anna und Scherschel, Karin (2019), ‘Flucht in die Aktivierung. Empirische Befunde einer qualitativen Studie zum Arbeitsmarktzugang von hochqualifizierten geflüchteten Frauen’, in Binner, Kristina und Scherschel, Karin (Hrsg.), Fluchtmigration und Gesellschaft. Von Nutzenkalkülen, Solidarität und Exklusion (Weinheim: Beltz Juventa), 169-189.

Krämer, Anna und Scherschel, Karin (2020), ‘Prekarität, Gender und Flucht’, in Dackweiler, Regina-Maria, Rau, Alexandra und Schäfer, Reinhild (Hrsg.), Frauen und Armut – feministische Perspektiven (Opladen, Berlin, Toronto: Verlag Barbara Budrich), 342-360.

Krause, Ulrike (2015), ‘A Continuum of Violence? Linking Sexual and Gender-based Violence during Conflict, Flight, and Encampment’, Refugee Survey Quarterly, 34 (4), 1-19.

Krause, Ulrike (2015), ‘Zwischen Schutz und Scham? Flüchtlingslager, Gewalt und Geschlechterverhältnisse’, Peripherie: Zeitschrift für Politik und Ökonomie in der Dritten Welt, 35 (138/139), 235-259.

Krause, Ulrike (2016), ‘Hegemonie von Männern? Flüchtlingslager, Maskulinitäten und Gewalt in Uganda’, Soziale Probleme, 27 (1), 119-145.

Krause, Ulrike (2017), ‘Die Flüchtling – der Flüchtling als Frau. Genderreflexiver Zugang’, in Cinur Ghaderi und Thomas Eppenstein (Hrsg.) Flüchtlinge: Multiperspektivische Zugänge (Wiesbaden: Springer), 79-93.

Krause, Ulrike (2018), ‘Protection | Victimisation | Agency? Gender-sensitive Perspectives on Present-day Refugee Camps’, zeitgeschichte, 45 (4), 483–506.

Krause, Ulrike (2019), ‘Gender Relations in Confined Spaces. Conditions, Scope and Forms of Sexual Violence against Women in Conflict-related Refugee Camps’, Forschung DSF No 50 (Osnabrück: Deutsche Stiftung Friedensforschung; https://bundesstiftung-friedensforschung.de/blog/forschung-dsf-no-50/).

Krause, Ulrike (2020), ‘Violence Against Women in Camps? Exploring Links between Refugee Camp Conditions and the Prevalence of Violence’, in Katharina Crepaz, Ulrich Becker und Elisabeth Wacker (Hrsg.) Health in Diversity – Diversity in Health: (Forced) Migration, Social Diversification, and Health in a Changing World (Wiesbaden: Springer), 187-208.

Krause, Ulrike (forthcoming), Difficult Life in a Refugee Camp. Violence, Gender, and Coping in Uganda (Cambridge: Cambridge University Press).

Krause, Ulrike und Scherschel, Karin (2018), ‘Einleitung. Flucht – Asyl – Gender: Entwicklungen und Forschungsbedarfe’, GENDER. Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft, 2018 (2), 7–17.

Krause, Ulrike, Scherschel, Karin und Bauschke-Urban, Carola (Hrsg.) (2018), GENDER. Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft. Themenheft zu Flucht – Asyl – Gender (2018).

Lingen-Ali, Ulrike und Ullmann, Johanna (2018), ‚Geflüchtete Frauen in Deutschland’, in Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), Kurzdossier ‚Frauen in der Migration’

Scherschel, Karin (2015), ‘Menschenrechte, Citizenship und Geschlecht – Prekarität in der Asyl- und Fluchtmigration’, in Völker, Susanne und Michele Amacker (Hrsg.), Prekarisierungen. Arbeit, Sorge und Politik (Beltz Juventa: Weinheim und Basel), 94-110.

Scherschel, Karin (2016), ‘Zur Lebenssituation geflüchteter Frauen’, humboldt chancengleich, 8, 11-13.

Scherschel, Karin (2016), ‘Flucht, Gender, Menschenrechte. Neue Herausforderungen für die Soziale Arbeit’, Forschungsjournal Soziale Bewegungen, 29 (1).

Scherschel, Karin und Krämer, Anna (2019), ‘Frauen auf der Flucht. Kurzdossier Frauen in der Migration, Bildungsportal der Bundeszentrale für politische Bildung.

Schwenken, Helen und Ullmann, Johanna (2019), ‚Die Arbeitsmarktteilhabe geflüchteter Frauen* – ein zentrales Element sozialer Teilhabe’, in Forschungsprojekt „Gender, Flucht, Aufnahmepolitiken, Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V., bbff: Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (Hrsg.), ’Wir wollen Sicherheit’. Anregungen für eine gender- und fluchtsensible Praxis im Umgang mit geflüchteten Frauen*’, 42-47.

Sußner, Petra (2013), ‘Invisible Intersections, Queer Interventions. Same sex family reunification under the rule of asylum law’, in Thomas Spijkerboer (Hrsg.), Fleeing Homophobia: Sexual Orientation, Gender Identity and Asylum, 176-188.

Sußner, Petra (2019), ‘Wer geht, ist selber schuld? Unionsrechtliche Perspektiven auf Gewaltschutzansprüche von LGBTIQ-Asylsuchenden in Unterkünften – unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des EGMR’, Europäische Grundrechte-Zeitschrift, 49 (17-19), 437-453.

Träbert, Alva und Dörr, Patrick (2019), ‘LSBTI*-Geflüchtete und Gewaltschutz. Implikationen für die Unterbringung, Zuweisung und Beratung’, Asylmagazin 2019 (10-11),  344-351.

Dörr, Patrick und Träbert, Alva (2019), ‘LSBTI*-Geflüchtete im Asylverfahren. Verfolgung aufgrund der sexuellen und geschlechtlichen Identität’, Asylmagazin 2019 (10-11), 352-359.

Träbert, Alva und Dörr, Patrick (2020), Besonders schutzbedürftige Geflüchtete: sexuelle und geschlechtliche Vielfalt, Handreichung AMIF-Projekt Empowerment vulnerabler Personen im Asylverfahren, Diakonie Düsseldorf.

Träbert, Alva und Dörr, Patrick (2020), ‘Falls besonderer Bedarf identifiziert wurde. Gewaltschutzkonzepte und ihre Bedeutung für LSBTI-Geflüchtete als besonders schutzbedürftige Gruppe’, Sonderheft Geschlecht, Migration und Sicherheit, Freiburger Zeitschrift für Geschlechterforschung, 2020 (26).

Ullmann, Johanna, Lingen, Ulrike und Arezou Schulz (im Erscheinen), ‚Normative Adressierungen an Familie und Mutterschaft im FluchtMigrationskontext: Aushandlungsverhältnisse geflüchteter Frauen’, in Buschmeyer, Anna und Zerle-Elsäßer, Claudia (Hrsg.), Komplexe Familienverhältnisse. Wie sich das Konzept ‚Familie’ im 21. Jahrhundert wandelt. Reihe ‚Forum Frauen- und Geschlechterforschung’. Münster: Westfälisches Dampfboot.

Welfens, Natalie (2016), ‘”This module is not only about women and gay people.” Gender Mainstreaming in der Europaeischen Asylpolitik. Von einem essentialisierenden zu einem intersektionalen Genderverstaendnis?’, Femina Politica, 25 (2), 77-92.

Wessels, Janna (2017), ‘Publicly Manifested – Fatefully Determined – Invariably “Discreet”: The Assessment of Sexuality-Based Asylum Claims in Germany and France’, Canadian Journal of Women and the Law, 29(2), 343–374.

Welfens, Natalie (2020), ‘Protecting Refugees Inside, Protecting Borders Abroad? Gender in the EU’s Responses to the “Refugee Crisis”’, Political Studies Review, 18 (3), 378-392.

Wessels, Janna (2018), ‘Feministische Herausforderungen an das Flüchtlingsrecht: Von der zweiten zur dritten Welle’, Zeitschrift GENDER, Schwerpunkt „Flucht, Asyl, Gender“, 2/2018, 18–31.

Wessels, Janna (2019), ‘The boundaries of universality – migrant women and domestic violence before the Strasbourg Court’, Netherlands Quarterly of Human Rights, 37(4), 336-358.

Wessels, Janna (2019), ‘The art of drawing lines: Future behaviour and refugee status’, in Satvinder Juss (ed.) The Research Handbook on International Refugee Law (Cheltenham: Edward Elgar), 268-280.

Wessels, Janna (im Erscheinen 2020), The Concealment Controversy. Sexual Orientation, Discretion Reasoning and the Scope of Refugee Protection (Cambridge: Cambridge University Press).