Heute, rund zehn Jahre nach dem „Langen Sommer der Migration“, ist die Zahl der Geflüchteten in Ausbildung ins Stocken geraten. Dass junge Geflüchtete deutlich seltener eine Berufsausbildung aufnehmen als junge Menschen, die nicht aus eingewanderten Familien stammen, ist auch ein Ergebnis struktureller Barrieren. Der Beitrag beantwortet die Frage, welche strukturellen Hürden den erfolgreichen Übergang junger Geflüchteter in eine Berufsausbildung besonders erschweren und welche Förderbedingungen nötig sind, um diese abzubauen. Deutsche Sprachkenntnisse, Zielgruppenorientierung und die Verbesserung rechtlicher Rahmenbedingungen sind hierfür entscheidend. Ich stütze mich auf Ergebnisse eines eigenen Forschungsprojektes sowie auf weitere aktuelle Forschungsbefunde, vor allem aus dem IQB-Bildungstrend und Berufsbildungsbericht.
Etwa die Hälfte der Geflüchteten, die um 2015 nach Deutschland kamen, waren bei der Ankunft Jugendliche oder junge Erwachsene. Schnell wurde darauf gedrängt, die duale bzw. betriebliche Berufsausbildung zur Förderung beruflicher Teilhabe und ökonomischer Selbstständigkeit zu nutzen. Gerade betriebliche Ausbildungen eröffnen wegen ihrer geringen Zulassungsbeschränkungen (abgesehen von den betrieblichen Erwartungen an die Qualifikation der Ausbildungsbewerber:innen) gute Zugangschancen für Geflüchtete. So können unter bestimmten Bedingungen sogar Geflüchtete ohne gesicherten Aufenthaltsstatus eine Ausbildung aufnehmen. Zu Beginn der Fluchtmigration um 2015 hat die Forschung insbesondere die individuellen und strukturellen Ausgangslagen für die Integration Geflüchteter ins deutsche Ausbildungssystem untersucht: Sie hat frühzeitig darauf hingewiesen, dass junge Geflüchtete eine heterogene Gruppe hinsichtlich ihrer Schutzstatus und Bildungsvoraussetzungen sind und ein hoher Qualifizierungsbedarf vorhanden ist. Zunächst hatten Geflüchtete eine relativ hohe Teilnahmequote bei der Ausbildung, die sich bis 2020 positiv entwickelte, aber seither zurückgeht und im Vergleich zu nicht-migrierten Jugendlichen deutlich geringer ausfällt. Für diese Situation sind neben verringerten Asylantragszahlen, den Nachwirkungen der Corona-Pandemie und aktuellen Konjunkturproblemen auch strukturelle Barrieren mitverantwortlich. Diese Hürden kommen in drei Kernphasen der beruflichen Orientierung und Qualifikation besonders zum Tragen, können aber durch gezielte Fördermaßnahmen abgebaut werden: erstens im Schulverlauf in Deutschland, zweitens bei der Entwicklung von Berufszielen und drittens beim Übergang bzw. in der Übergangsphase selbst.
Der Schulverlauf: Bildungsteilhabe, schulische Kompetenzen und Schulabschlüsse
Obwohl eine betriebliche Ausbildung prinzipiell auch ohne einen Schulabschluss begonnen werden kann, sind Qualifikationsniveaus der Jugendlichen dennoch entscheidend. Für viele Ausbildungswünsche erwarten Betriebe bestimmte Schulabschlüsse. Verlangt werden auch gute Kenntnisse in den Schlüsselbereichen Deutsch und Mathematik. Fast 80 % der Arbeitsplätze in Deutschland setzen z. B. allgemein-mathematische Kenntnisse voraus. Ob die Wunschausbildung erreicht wird, hängt auch von der Schulform ab. Die besuchte Schulform beeinflusst die beruflichen Zukunftserwartungen junger Menschen. Schüler:innen am Gymnasium entwickeln beispielsweise häufiger akademische Karriereziele als Schüler:innen an Realschulen. Auch die dort erlangten Schulabschlüsse eröffnen verschiedene berufliche Perspektiven: Absolvent:innen mit einer mittleren Reife oder einem Abitur haben viel mehr Auswahlmöglichkeiten als jene, die einen niedrigeren oder keinen Abschluss erreicht haben.
In der Beteiligung an den Schulformen der Sekundarstufe zeichnen sich für geflüchtete Jugendliche zwar größere Disparitäten ab, aber sie haben sich über die letzten Jahre leicht abgebaut. Im Jahr 2018 besuchten junge Geflüchtete in der 9. Klasse der Sekundarstufe überproportional häufig eine Hauptschule (33,5%) und selten das Gymnasium (8%). Bis 2024 lässt sich eine positive Entwicklung erkennen, denn der Hauptschulbesuch sank auf 19%, während der Gymnasialbesuch auf ca. 14% anstieg. Im Vergleich zum Gymnasialanteil aller Schüler:innen (36 %) bleiben Geflüchtete jedoch deutlich unterrepräsentiert. Ein Teilgrund hierfür ist, dass in mehreren Bundesländern die Geflüchteten in sogenannten Neuzuwandererklassen unterrichtet wurden, die lange Zeit nur an nicht-gymnasialen Schulformen eingerichtet wurden. In diesen Bundesländern besuchten geflüchtete Jugendliche im Anschluss an die Neuzuwandererklasse seltener eine Regelklasse im Gymnasium. Auf diesen Missstand wurde teilweise reagiert und Neuzuwandererklassen werden in einigen Bundesländern nun auch vermehrt schulartunabhängig angeboten (z. B. in Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen).
Auch die schulischen Kompetenzunterschiede sind groß, jedoch gehen sie langsam zurück. So hatten im Jahr 2018 geflüchtete Schüler:innen der 9. Klasse in Mathematik einen Rückstand von fast zwei Schuljahren gegenüber Jugendlichen der „ersten Generation“ ohne Fluchterfahrung, der sich aber bis 2024 auf etwa ein Schuljahr verringerte. Mit „erster Generation“ sind Jugendliche gemeint, die im Ausland geboren wurden und selbst nach Deutschland eingewandert sind, aber nicht im Kontext von Flucht. Kenntnisse in Deutsch sind eine wichtige Voraussetzung, um dem Mathematikunterricht folgen zu können. Analysen des IQB-Bildungstrend bestätigen: Mathematikleistungen geflüchteter Schüler:innen verbessern sich, wenn sie ähnliche Sprachfähigkeiten in Deutsch besitzen wie ihre Mitschüler:innen.
Deutschkompetenzen wurden im Jahr 2022 bei geflüchteten Jugendlichen in der 9. Klasse im Rahmen des IQB-Bildungstrends zum ersten Mal erhoben, aber bislang noch nicht umfassend ausgewertet. Eigene Berechnungen zeigen, dass Geflüchtete in der Lesekompetenz, einer Schlüsselkompetenz für Bildungs- und Teilhabechancen, durchschnittlich nur ca. 331 Punkte erreichten. Jugendliche der „ersten Generation“ ohne Fluchtbiografie erreichten ca. 398 Punkte. Bei Schüler:innen aus nicht eingewanderten Familien lag der Wert bei 506 Punkten und bei Gleichaltrigen aus der sogenannten „zweiten Generation“ bei 452 Punkten. Die „zweite Generation“ bezeichnet Jugendliche, die in Deutschland geboren sind, deren Eltern aber aus dem Ausland stammen.
Die äußerst niedrigen Kompetenzen der jungen Geflüchteten im Bereich Lesen sind besorgniserregend. Sie sind auf verschiedene Gründe zurückzuführen, z. B. auf die vergleichsweise kurze Zeit, die die Jugendlichen im deutschen Schulsystem bisher verbracht haben, auf die geringeren Ressourcen und Möglichkeiten ihrer Eltern, sie in der Schule und beim Lernen zu unterstützen, und auf mangelnde schulische Förderstrukturen, denen es nicht ausreichend gelingt, die Deutschkenntnisse der jungen Geflüchteten zu verbessern. Die im Frühsommer 2022 im Bildungstrend untersuchten Jugendlichen lernten zudem unter den schwerwiegenden Bedingungen der COVID-19-Pandemie. Die Ergebnisse machen deutlich, dass gerade Geflüchtete besonders stark von den negativen Auswirkungen der Schulschließungen und des Distanzunterrichts betroffen sind.
Zu den erreichten Schulabschlüssen in Deutschland liegen bislang wenig Zahlen vor. Eine Annäherung erlaubt die BA/BIBB-Bewerberbefragung, die die erreichten Schulabschlüsse Ausbildungsinteressierten erfasst, also von Personen, die bei der Bundesagentur für Arbeit als Ausbildungsstellenbewerber:innen gemeldet sind. Insgesamt haben sich die Qualifikationsniveaus von Geflüchteten deutlich verbessert. 2018 hatten noch fast 40% der ausbildungsinteressierten Geflüchteten (noch) keinen Abschluss. 2024 waren es nur noch 10%. 2018 hatten 26% einen Hauptschulabschluss, 2024 bereits 40%. Der Realschulabsolvent:innenanteil stieg von 16% auf 34%. Der Anteil von Geflüchteten mit (Fach-)Abitur ist mit 11% jedoch gleichgeblieben, was zeigt, dass die Anstiege im Qualifikationsniveau überwiegend unterhalb der Abiturniveaus stattgefunden haben: der Zugang zum Gymnasium und der erfolgreiche Abschluss mit dem Abitur sind für junge Geflüchtete weiterhin erschwert.
Dynamische Berufsziele
Schon in einem sehr jungen Alter beeinflussen die schulischen Leistungen und der Besuch einer bestimmten Schulform die beruflichen Orientierungen und Berufsziele von Schüler:innen. Trotz ihrer Fluchtgeschichte und einer häufig prekären Situation, in der sich viele junge Geflüchtete befinden, zeigen die Ergebnisse, dass eine hohe Bildungsmotivation vorliegt. Am häufigsten erwarten sie einen Schulabschluss, der sie für ein Studium berechtigt. Hierfür spielen ihre Eltern eine wichtige Rolle: sie wünschen sich für ihre Kinder besonders häufig das Studium. Die starken akademischen Orientierungen hängen auch damit zusammen, dass das duale Berufsausbildungssystem international gesehen eine Besonderheit ist und neuzugewanderten Familien oft unbekannt ist. Mit zunehmender Aufenthaltsdauer verschieben sich die Aspirationen jedoch stärker zugunsten einer Berufsausbildung, insbesondere wenn ihnen ein schneller Erwerbseinstieg wichtig ist.
Die Entwicklung und Umsetzung ihrer beruflichen Ziele sind auch abhängig vom Alter bei der Einreise. In unseren Interviews, in denen wir mit Geflüchteten gesprochen haben, zeigte sich, dass ältere Geflüchtete ihre beruflichen Vorstellungen häufig schon im Herkunftsland entwickelt haben, jedoch können sie ihre Ziele in Deutschland meist nicht ohne Weiteres fortsetzen, etwa aufgrund struktureller Barrieren wie z.B. den hohen formalen Zugangsvoraussetzungen für ein Studium. Für sie entsteht daraus ein erhöhter Handlungsdruck, unterbrochene oder ins Stocken geratene Berufsverläufe möglichst rasch weiterzuführen. Jüngere Geflüchtete hingegen, die ihre Schulzeit in Deutschland verbracht haben, stehen vor der Aufgabe, wie alle Jugendliche, einen Berufswunsch bzw. berufliches Ziel zu entwickeln. Das geschieht nicht selten unter erschwerten Bedingungen, wie dem deutschen Spracherwerb oder einem prekären Aufenthaltstitel (bspw. Duldung). Eltern und Lehrkräfte werden dabei von den geflüchteten Jugendlichen teils als unterstützend, teils auch als überfordernd wahrgenommen.
Herausforderungen beim Übergang in die Berufsausbildung
Untersuchungen zum Übergang in die duale Ausbildung zeigen große Herausforderungen für junge Geflüchtete. 2018 lag ihre Beteiligung an einer vollqualifizierenden Ausbildung mit 41% deutlich unter der von Bewerber:innen aus nicht eingewanderten Familien (63%). 2024 hat sich der Anteil bei den Geflüchteten auf 37% verringert, bei nicht-migrantischen Bewerber:innen lag er bei 59%. Junge Geflüchtete sind überdurchschnittlich häufig in niedrig entlohnten Ausbildungsberufen und in Ausbildungsberufen mit Stellenbesetzungsproblemen vertreten, zu denen der Zugang bei geringerer Qualifikation offener ist. In Ausbildungsberufen mit Besetzungsproblemen ist die Vertragslösungsquote (also der vorzeitige Abbruch einer Ausbildung) besonders hoch. Da ihre Ausbildungsentscheidung sehr viel stärker auf Überlegungen zum Aufenthalt („Ausbildungsduldung“) beruht und weniger von ihren beruflichen Interessen geleitet ist, sind Geflüchtete häufiger betroffen.
Auch der Wohnort beeinflusst die Ausbildungschancen: In strukturschwachen Regionen gelingt jungen Geflüchteten der Übergang in eine Ausbildung seltener. Vor allem Wohnsitzauflagen und begrenzte Mobilitätsressourcen erschweren den Zugang zu Ausbildungen bzw. den Wohnort zu wechseln. Eine wichtige Rolle spielen hierfür die institutionellen Verteilungslogiken von Geflüchteten: Asylsuchende werden über einen Verteilungsalgorithmus mit länderspezifischen Aufnahmequoten einem Bundesland zugewiesen. Die Aufnahmequoten richten sich nach dem Steueraufkommen und der Bevölkerungszahl der Länder. Derzeit werden passgenauere Verteilungssysteme, die weniger zulasten von Integrationschancen gehen, vermehrt diskutiert. Förderlich für den Übergang, insbesondere bei Geflüchteten über 25 Jahren, sind berufsbezogene Deutschförder- und Berufssprachkurse, die die Übergangsquoten nachweislich erhöhen.
Geflüchtete Frauen brauchen mehr Unterstützung
Geflüchtete Frauen sind eine große Bevölkerungsgruppe, die beim Übergang in eine Ausbildung besonders benachteiligt ist. Aufgrund der häufig zusätzlich übernommenen Haus-, Care- und Pflegearbeit können geflüchtete Frauen die erforderlichen Qualifikationen für eine Ausbildung, wie etwa deutsche Sprachkenntnisse, oft nicht in ausreichendem Maß erwerben. In einer Studie zeigte sich zudem, dass geflüchtete junge Frauen von einer Berufsausbildung Abstand nehmen, wenn sie sich (unabhängig von Elternschaft) in einer Partnerschaft befinden. Interview-Studien legen nahe, dass die Paare dazu neigen, eher tradierte Rollen- und Familienbilder zu leben. Eine vorläufige Hypothese lautet daher, dass die männlichen Partner für den Erwerb hauptverantwortlich sein wollen und die geflüchteten Frauen womöglich ihre Ausbildungswünsche zurückstellen, wenn sie eine Partnerschaft eingehen. Hier ist weitere Forschung zu den genauen Ursachen nötig.
Fazit: Deutschkenntnisse erhöhen und Zielgruppenorientierung
Die Übersicht zeigt, dass für die Ausbildungssituation junger Geflüchteter unbedingt die vorgelagerten Schulverläufe mitbetrachtet werden müssen: im monolingual strukturierten deutschen Bildungssystem sind Deutschkenntnisse geflüchteter Schüler:innen der Schlüssel und zugleich eine große Hürde, die sie überwinden müssen, um Kompetenzen in den verschiedenen Schulfächern zu erwerben, beim Schulabschluss erfolgreich zu sein und so die Übergangschancen in Ausbildung zu verbessern. Bestehende Fördermaßnahmen zur Überwindung dieser Hürde sind jedoch nicht immer ausreichend: Deutschförderung in Form von vollständig separierten Neuzuwandererklassen scheinen hierfür eher ungeeignet zu sein. Fachintegrierte Sprachbildung und teilintegrierte Beschulung mit additivem Deutschunterricht sind stattdessen zu priorisieren. Zahlreiche Geflüchtete im Jugendalter gelangen jedoch oft nicht mehr in die Sekundarstufe allgemeinbildender Schulen, sondern werden z. B. direkt in Neuzuwandererklassen in Berufsschulen eingeschult. In diesen Neuzuwandererklassen erwerben sie meist keinen Schulabschluss und können nach Ende der Berufsschulpflicht (in den meisten Bundesländern im Alter von 18 Jahren) nur über den zweiten Bildungsweg oder im Rahmen einer späteren Berufsausbildung noch einen Schulabschluss erwerben. Um auch älteren Geflüchteten Chancen zu bieten, Schulabschlüsse erwerben zu können, empfiehlt der Sachverständigenrat Migration und Integration die Berufsschulpflicht auszuweiten.
Für nicht-schulpflichtige Geflüchtete bestehen Hürden darin, ihre bereits herausgebildeten beruflichen Ziele in Deutschland weiterverfolgen zu können. Gerade in strukturschwachen Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit und geringer Wirtschaftskraft stehen sie oft vor großen Herausforderungen, ihre Ausbildungswünsche umzusetzen. Hier geraten auch Fördermaßnahmen zur Unterstützung von jungen Geflüchteten an ihre Grenzen.
Für die Geflüchteten im jungen Erwachsenenalter sind die Jobcenter zuständig, die Beratung und Zugang zu vorbereitenden Maßnahmen vermitteln. Da die Eltern in geflüchteten Familien einen starken Einfluss auf die Berufsziele ihrer Kinder ausüben und die jungen Geflüchteten ihre Eltern teilweise auch als Hürde in diesem Prozess wahrnehmen, ist es sinnvoll, die Eltern in die verschiedenen Berufsberatungsangebote einzubeziehen. Die Berufssprachkursangebote des BAMF und der Bundesagentur für Arbeit verbessern die Übergangschancen in Ausbildung älterer Geflüchteter deutlich und werden auch international für ihren Erfolg gelobt. Eine wichtige Säule zum Erwerb von allgemeinen Deutschkenntnissen sind auch die Integrationskurse. Die Bundesregierung priorisiert allerdings derzeit bestimmte Teilnehmer:innenkreise: Zwar ist die jüngste Mittelaufstockung zur Finanzierung von Integrationskursen zu begrüßen, gleichzeitig wurde jedoch auch die Förderung freiwilliger Integrationskurse gestrichen, da die Mittel stärker denjenigen zur Verfügung stehen sollen, die dauerhaft in Deutschland bleiben können. Das schließt z. B. Asylbewerber:innen und Geduldete aus, da sie rechtlich meist keinen Anspruch auf einen Sprach- oder Integrationskurs haben.
In Deutschland ausgebildete Geflüchtete haben gute Chancen, übernommen zu werden und Geduldete profitieren von der 3+2-Regelung, die ihnen nach der Ausbildungsduldung eine Aufenthaltserlaubnis ermöglicht. Für viele junge Geflüchtete ist die Aufnahme einer Ausbildung aber eine Überlebensstrategie, um den Aufenthalt zu sichern und weniger bedeutsam, um Berufsziele zu realisieren. Der erfolgreiche Abschluss einer Ausbildung ist daher nicht immer gegeben. Berufliche Orientierung, die stärker geduldete Ausbildungsinteressierte berücksichtigt, kann helfen, erhöhte Vertragslösungsquoten bei Geflüchteten zu reduzieren.
Um geflüchteten Frauen die Teilnahme an einer Berufsausbildung besser zu ermöglichen, können spezielle Berufsorientierungs-, Mentoring- und Fördermaßnahmen unterstützend wirken. Die individuelle Beratung für die jungen Frauen sollte auch Kinderbetreuungsmöglichkeiten sowie Partnerschaft und Rollenverteilung berücksichtigen, da diese ihre Ausbildungsentscheidungen stark beeinflussen.
Insgesamt kann festgehalten werden: Erstens sind Deutschkenntnisse zentral für die Integration in eine Berufsausbildung. Hierfür bedarf es effektiver Förderinstrumente, die den Kompetenzerwerb auch in anderen Schulfächern, das Erreichen von Schulabschlüssen und damit auch die Chancen auf eine Ausbildung begünstigen. Zweitens braucht es zielgruppenspezifische Förderung, die geflüchtete Frauen unterstützt, die die Eltern Geflüchteter im Jugendalter einbezieht und die Bildungsangebote auch für Geflüchtete im jungen Erwachsenenalter schafft. Drittens ist eine Anpassung struktureller Rahmenbedingungen nötig, die die Verteilung von Geflüchteten besser steuert, die die aufenthaltsrechtliche Sicherheit erhöht und den Zugang zu Integrations- und Berufssprachkursen für Geflüchtete weniger abhängig vom Aufenthaltsstatus macht.
Zitiervorschlag:
Winkler, Oliver. Wie kann jungen Geflüchteten der Übergang von der Schule in die Ausbildung gelingen? FluchtforschungsBlog, 25. März 2026, https://fluchtforschung.net/wie-kann-jungen-gefluechteten-der-uebergang-von-der-schule-in-die-ausbildung-gelingen/, DOI: 10.59350/z2cwp-vwz53.