Globale Trends zu Flucht und Asyl im Jahr 2025

Anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni veröffentlicht das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) auch dieses Jahr den Global Trends Bericht zum Fluchtgeschehen in 2025. Erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt sind die globalen Vertreibungszahlen 2025 rückläufig – ein Moment, der vorsichtig als Wendepunkt gedeutet werden könnte, aber bei näherer Betrachtung wenig Anlass für Optimismus gibt. Denn der Rückgang beruht nicht auf weniger Flucht, sondern primär auf massiven Rückführungen unter prekären Bedingungen. Zugleich bleiben strukturelle Defizite im globalen Flüchtlingsschutz bestehen: noch geringeres Resettlement, langwierige Aufnahmesituationen und zunehmend schwindende Verantwortungsteilung innerhalb der internationalen Gemeinschaft.

 

Seit über zwei Jahrzehnten erscheint der Global Trends Bericht, in dem UNHCR jeweils Einblicke in die weltweiten Fluchtbewegungen des Vorjahres gibt. In dem Blogbeitrag ordnen wir die jüngsten Entwicklungen ein und knüpfen an frühere Beiträge in der Reihe Globale Trends im FluchtforschungsBlog an.

 

Überblick über globale Entwicklungen im Jahr 2025

Ende 2025 belief sich die Zahl der weltweit geflüchteten Menschen auf 117,8 Mio. – ein Rückgang um rund 5,4 Mio. (4 %) gegenüber 2024. Damit ist zwar erstmals seit 2011 eine leichte Abnahme zu verzeichnen, doch im Vergleich zu insgesamt 42,5 Mio. Geflüchteten in 2011 hat sich die Zahl 2025 nahezu verdreifacht. Anders ausgedrückt: Ende 2025 war jede 70. Person auf der Welt vertrieben (S. 8). Daher muss der vermeintliche Fortschritt eingehend kontextualisiert werden, was im Laufe dieses Beitrags geschieht.

Quelle: UNHCR https://www.unhcr.org/global-trends

Auch 2025 stellten Binnenvertriebene (internally displaced people, IDPs) die weitaus größte Gruppe der Geflüchteten dar. UNHCR verweist auf Zahlen des Internal Displacement Monitoring Centre (IDMC). Demnach befanden sich Ende 2025 rund 68,7 Mio. Menschen innerhalb ihrer Herkunftsländer auf der Flucht – ein Rückgang gegenüber 2024 um etwa 4,9 Mio. IDPs machen damit 58 % aller Geflüchteten weltweit aus. Sie fallen nicht unter den Schutz der Genfer Flüchtlingskonvention. Die Schutzverantwortung liegt beim Herkunftsstaat – der jedoch häufig selbst Teil der Vertreibungssituation ist oder selten in der Lage, angemessenen Schutz zu gewähren.

Die Zahl der Flüchtlinge unter dem Mandat von UNHCR, einschließlich Personen mit flüchtlingsähnlichem Status und anderen Menschen mit internationalem Schutzbedarf, sank um knapp 1,2 Mio. auf 35,6 Mio. Hinzu kommen rund 6 Mio. palästinensische Flüchtlinge unter dem Mandat von UNRWA, womit sich die Gesamtzahl der Flüchtlinge auf 41,6 Mio. beläuft. Die Zahl der Asylsuchenden – Menschen, deren Status noch nicht abschließend geklärt ist – stieg hingegen weiter auf nahezu 9 Mio. an (+645.300 gegenüber Vorjahr).

Zudem verweist UNHCRs Bericht auf mindestens 4,5 Mio. staatenlose Menschen weltweit – Personen ohne anerkannte Staatsangehörigkeit (de jure) oder ohne tatsächlichen staatlichen Schutz, obwohl formal eine Staatsangehörigkeit besteht (de facto). Sie werden nicht in der Gesamtzahl der Geflüchteten erfasst und die tatsächliche Zahl dürfte erheblich höher liegen, da viele Länder keine entsprechenden Daten erheben. Häufig befinden sich staatenlose Menschen in besonders prekären Verhältnissen ohne formalen Schutz.

Wie in den Vorjahren müssen wir erneut kritisieren, dass der Bericht weiterhin Menschen unberücksichtigt lässt, die aufgrund von Klimaveränderungen, Umweltzerstörung oder wirtschaftlicher Not fliehen. Dies beruht auf der rechtlichen Rahmung: Die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 in der Fassung des Protokolls von 1967 erfasst begründete Furcht vor Verfolgung aufgrund von „Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung“ als Fluchtgründe (Art. 1 A Abs. 2), während die UN-Leitlinien zu Binnenvertreibung Naturkatastrophen explizit einschließen. Angesichts der globalen Klimakrise bleibt eine völkerrechtliche Anerkennung und ein besserer Schutz für klima- und wirtschaftlich bedingte Geflüchtete überfällig.

 

Demographie, Datenlücken und Binärität

Der Bericht gibt wieder Einblick in die demografische Zusammensetzung von Geflüchteten. Auf den Seiten 3 und vor allem 24 werden Alter und Geschlecht anhand eines Diagramms veranschaulicht – grün für als weiblich gelesene und blau für als männlich gelesene Personen, je nach drei Altersgruppen unterschieden: 0-17 Jahre, 18-65 Jahre und über 60 Jahre. Weitere demographische Angaben zu Binnenvertriebenen und Staatenlosen sind im Text erläutert (S. 33 und 49).

Quelle: UNHCR (2026), Global Trends. Forced Displacement in 2025, S. 24.

Das hier dargestellte Diagramm zeigt, dass das Ausmaß von Flucht für weiblich und männlich gelesene Personen ähnlich hoch ist (S. 24). Aufgrund der weiten Altersspanne von 18 bis 59 Jahren ist kaum verwunderlich, dass mit 56 % über die Hälfte aller Flüchtlinge in eine Gruppe fallen. Jedoch betont UNHCR, dass Kinder überproportional von Flucht betroffen sind: 39 % der Flüchtlinge unter UNHCRs Mandat sind unter 18 Jahre jung, während Kinder global 29 % der Gesamtbevölkerung ausmachen (S. 3). Der geringe Anteil der über 60-Jährigen verdeutlicht, dass Flucht überaus belastend und gefährlich ist, weswegen ältere Menschen sie oft nicht auf sich nehmen können.

Kritisieren müssen wir, dass die demographische Darstellung in binären Vorstellungen verhaftet bleibt. Einhergehend mit unserer Kritik in früheren Blogbeiträgen (z.B. zu UNHCRs Berichten für 20242022 und 2021) zeigt sich erneut, dass die Daten sowie ihre Darstellung heteronormative Strukturen reproduzieren. Dadurch werden lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, queere, nichtbinäre, inter* und weitere Personen in der Berichterstattung nicht berücksichtigt. Sie werden also unsichtbar gemacht, obwohl sie aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität in vielen Herkunfts- und Aufnahmekontexten Gefahren, Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt sind. Diese Ausgrenzung ist höchst problematisch, denn damit bleiben auch ihre Schutzbedarfe ungehört.

 

Herkunfts- und Aufnahmeländer

Die Muster der Vorjahre setzen sich fort. Die Herkunftsländer der meisten Flüchtlinge haben sich 2025 kaum verändert. Aus sieben Ländern sind jeweils mehr als 1 Mio. Menschen geflohen (Annex, Tabelle 2): Ukraine (5,2 Mio.), Syrien (4,9 Mio.), Sudan (2,8 Mio.), Afghanistan (2,7 Mio.), Südsudan (2,4 Mio.), Myanmar (1,5 Mio.) und die Demokratische Republik Kongo (1,2 Mio.) – Somalia liegt mit 892.000 knapp darunter. Bei dieser globalen Perspektive sind zwei gegenläufige Bewegungen zu beobachten: Während die Zahlen für syrische (-18 %) und afghanische Flüchtlinge (-36 %) deutlich sanken – was vor allem mit massiven, aber fragilen Rückführungs -bzw. Abschiebungsstrategien zusammenhängt –, stiegen sie für sudanesische Flüchtlinge um 35 %, da der Konflikt anhält und weitere Menschen zur Flucht zwingt.

Auch auf der Aufnahmeseite zeigt sich Kontinuität, wenngleich mit Verschiebungen (Annex, Tabelle 1): Deutschland führt laut UNHCRs Bericht 2025 mit 2,7 Mio. die Liste der wichtigsten Aufnahmeländer an, gefolgt von der Türkei (2,4 Mio.) – deren Zahl durch syrische Rückkehrende deutlich sank –, Uganda (1,9 Mio.), Tschad (1,5 Mio.), Bangladesch (1,2 Mio.), Pakistan (1,2 Mio.) und Äthiopien (1,0 Mio.). Knapp unter einer Million aufgenommenen Flüchtlingen lagen Polen (990.000), Sudan (810.000), Frankreich (788.000) und Iran (771.000). Dass mit Deutschland, Polen und Frankreich drei europäische Länder in dieser Liste erscheinen, sollte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass gut zwei Drittel (68 %) aller Flüchtlinge in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen und 26 % in am wenigsten entwickelten Ländern der Welt Schutz suchen (S. 3). Dies zeigt sich auch daran, dass Uganda, Tschad, Bangladesch, Pakistan und Äthiopien 7,8 Mio. Flüchtlinge beherbergen und ihre Schutzverantwortungen mit einem Bruchteil der Ressourcen europäischer Staaten tragen.

Bei Binnenvertriebenen sank zwar die Gesamtzahl, doch dahinter verbergen sich in vielen Ländern keine Verbesserungen, sondern Rückführungen unter Zwang oder in fragile Verhältnisse. Sudan bleibt mit 9,1 Mio. IDPs das Land mit den weltweit meisten Vertriebenen im eigenen Land. Der Rückgang gegenüber 2024 (11,6 Mio.) erklärt sich vor allem durch 2,9 Mio. Rückkehrer*innen nach Khartum und in den Osten des Landes – Gebiete, in denen die sudanesischen Streitkräfte die Kontrolle zurückgewannen. Gleichzeitig fiel El Fasher, eine Stadt im Südosten des Sudan, im Oktober 2025 nach 18-monatiger Belagerung an die Rapid Support Forces (RSF). UN-Ermittler*innen beschreiben die Ereignisse in der Darfur-Region, in der noch immer 5,7 Mio. IDPs leben, als mit Merkmalen eines Genozids übereinstimmend. In Kolumbien sind 7,2 Mio. IDPs registriert – eine Zahl, die die Tiefe eines seit Jahrzehnten andauernden, international wenig beachteten Konflikts illustriert. In der Demokratischen Republik Kongo sank die Zahl auf 5,7 Mio. IDPs, nachdem M23-Rebellen IDP-Siedlungen um Goma gewaltsam aufgelöst und Hunderttausende zur Rückkehr gezwungen hatten. Friedensabkommen im Sommer 2025 haben sich bislang kaum auf die Lage der Zivilbevölkerung ausgewirkt. In Syrien verblieben trotz fast zwei Mio. Rückkehrer*innen noch 5,5 Mio. IDPs; neue Gewalt in Küstenregionen und As-Sweida im Süden des Landes vertrieben weitere 162.500 Menschen. Weitere gravierende Binnenvertreibungssituationen bestanden im Jemen (4,8 Mio.), der Ukraine (3,7 Mio.), Myanmar (3,6 Mio. – verschärft durch ein Erdbeben der Stärke 7,7 im März 2025), Nigeria (3,5 Mio.), Somalia (3,3 Mio.) und Afghanistan (3,2 Mio.). In Äthiopien (2,4 Mio.) und Burkina Faso (2,1 Mio.) blieben die Zahlen hoch. In Haiti stiegen sie um 38 % auf 1,4 Mio. Südsudan (1,3 Mio.), Kamerun (1,0 Mio.) und Irak (knapp 1 Mio.) vervollständigen das Bild einer globalen Krise, die sich geografisch kaum verschiebt, aber in ihrer Intensität an vielen Orten zunimmt.

Abermals belegen die Daten klare Tendenzen: Gewaltsame, oft jahrzehntelange Konflikte sind die zentrale Ursache für Flucht – solange diese nicht bearbeitet sind, werden Menschen weiter fliehen müssen. Zudem bleibt Flucht ein globalsüdliches Phänomen, sowohl was die Herkunft als auch die Aufnahme betrifft. Dass diese Realität in westlichen Debatten häufig hinter der Wahrnehmung einer vermeintlichen „europäischen Flüchtlingskrise“ verschwindet, ist nicht nur faktisch falsch, sondern verschleiert auch die fundamentale Schieflage in der globalen Verantwortungsteilung.

 

Langwierige Aufnahmesituationen und das „50 by 35“-Ziel

Flucht wird politisch oft als vorübergehender Ausnahmezustand behandelt, aber die Realität sieht vielerorts anders aus. Rund 70 % aller Flüchtlinge befanden sich Ende 2025 in langwierigen Aufnahmesituationen (protracted refugee situations), in denen Menschen seit mindestens fünf Jahren im Exil leben. Dies betraf rund 24,9 Mio. Flüchtlinge in mehr als 1.300 solcher Situationen in 99 Staaten (S. 10, 28).

Berücksichtigt werden muss hier allerdings, dass sich diese Daten auf eine überarbeitete Definition beziehen. In Entscheidungen von UNHCRs Exekutivkomitees von 2004 und 2009 galt eine Schwelle von 25.000 Personen, die aufgehoben wurde. Zudem werden im aktuellen Bericht erneut Situationen in westlichen Staaten ausgegrenzt und der Fokus auf Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen gelegt (S. 28; für 2024 S. 40; für 2022: S. 22, für 2021: S. 20). Während der Wegfall der Schwelle ein inklusiveres Bild zeichnet, ist die regionale Einschränkung unserer Einschätzung nach dem Druck westlicher Staaten geschuldet. Denn würden langwierige Aufnahmesituationen auch dort erfasst, müssten westliche Staaten nicht nur ihre Daten offenlegen, sondern auch ihre eigene, häufig unzureichende Aufnahmepraxis kritisch reflektieren. Folglich beleuchtet der Bericht nur einen Teil der globalen Langzeitsituationen. Dies wird dadurch verstärkt, dass jene von Binnenvertriebenen abermals unberücksichtigt sind.

Wie lange Menschen tatsächlich im Exil bleiben müssen, deutet UNHCRs Überblick zu Geflüchteten in Ostafrika und im südlichen Afrika an, der auf 25 Jahren Registrierungsdaten basiert: Die durchschnittliche Zeit, die die Menschen zwischen 2001 und 2025 dort im Exil verbrachten, lag bei knapp 16 Jahren – also etwa eine Generation, was kein vermeintlicher Übergangszustand mehr ist. Je nach Geschlecht und Alter zeichnen sich prekäre Unterschiede ab: Wer vor dem fünften Lebensjahr flieht, verbringt die gesamte Kindheit im Exil. Familien ab fünf Personen verbleiben durchschnittlich fast 19 Jahre. Frauen und Mädchen leben mit knapp 17 Jahren deutlich länger im Exil als Männer und Jungen mit 14 Jahren. Diese Befunde beziehen sich auf eine Region und erlauben keine globalen Verallgemeinerungen. Dennoch illustrieren sie eindrücklich, was hinter den abstrakten Zahlen steckt: Exil ist für viele Menschen kein Ausnahmezustand, sondern Lebensrealität. Genau das wird auch in unserer Forschung deutlich. 2014 haben wir mit zwei Personen gesprochen, die 1965 und 1968 aus der Demokratischen Republik Kongo geflohen waren und seitdem in Aufnahmelagern in Uganda lebten. Zudem berichteten uns Menschen im Lager Kakuma in Kenia, dass sie selbst Anfang der 1990er Jahre im Lager geboren wurden und dort mittlerweile selbst Kinder bekommen haben. Das bedeutet lebenslanges Ausharren im Exil.

Als Reaktion auf diese Langzeitdynamik hat UNHCR die Initiative „50 by 35“ lanciert: Bis 2035 soll die Zahl der Flüchtlinge in langwierigen Situationen, die auf externe humanitäre Hilfe angewiesen sind, halbiert werden (S. 13–14). Maßstab ist, ob Betroffene ohne Hilfsleistungen oberhalb der nationalen Armutsgrenze des Aufnahmelandes leben können. Welche Rolle hier eine globale Verantwortungsteilung spielt und wie Verpflichtungen nicht nur bei Geflüchteten selbst und Staaten im Globalen Süden, sondern auch bei Staaten im Globalen Norden liegen, ist aber im Moment offen, ebenso die Frage, inwieweit diese Menschen dann weiterhin Zugang zu Schutz haben.

 

Dauerhafte Lösungen

Langwierige Aufnahmesituationen entstehen vor allem aufgrund fehlender dauerhafter Lösungen. Als solche gelten freiwillige Repatriierung bzw. Rückkehr in das Herkunftsland, Resettlement bzw. Umsiedlung in einen sicheren Drittstaaten sowie lokale Integration im Asylland mit Perspektive auf Einbürgerung. Diese dauerhaften Lösungen bleiben Kernbestandteil des globalen Schutzsystems, damit die Menschen keine Flüchtlinge mehr sein müssen. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, wie weit die Realität auch im Jahr 2025 davon entfernt ist (S. 41-45; Annex, Tabellen 10–13):

  • 4,4 Mio. Flüchtlinge kehrten 2025 in Herkunftsländer zurück – fast dreimal so viele wie im Vorjahr und der zweithöchste jemals verzeichnete Stand seit Beginn der UNHCR-Statistiken 1965.
  • 10,3 Mio. Binnenvertriebene kehrten an Herkunftsorte zurück – der höchste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen 1997.
  • 800 Menschen wurden in sichere Drittstaaten umgesiedelt – ein drastischer Einbruch um 57 % gegenüber 2024.
  • 500 Menschen wurden eingebürgert oder erhielten dauerhaften Aufenthalt – ein leichter Anstieg um 5 %.

 

Gemessen an den 35,6 Mio. Flüchtlingen unter UNHCRs Mandat wurden also im Jahr 2025 12,24 % rückgeführt und nur 0,23 % umgesiedelt und 0,26 % eingebürgert. Folglich hatten lediglich 12,73 % Zugang zu einer dauerhaften Lösung. Trotz Anstieg ist dies eine Kontinuität des Versagens der Staatengemeinschaft, die sich durch die vergangenen Jahre zieht (2024: 4,4 %, 2022: 1,2 %, 2021: 2,6 %, 2020: 1,5 %, 2019: 2,4 %, 2018: 3,7 %).

Die hohe Zahl der Repatriierungen sowie der massive Rückgang von Resettlement bedürfen gesonderte Einordnungen. Für letzteren ist die Politik westlicher Staaten hauptverantwortlich, vor allem der USA. Infolge eines Exekutiverlasses vom Januar 2025 wurde das US-Resettlement-Programm faktisch ausgesetzt; lediglich 11.500 Menschen kamen noch in die USA; ein Rückgang um 89 % zum Vorjahr. Drei Länder – Kanada (38.800), Australien (18.800) und die USA (11.500) – stellten 84 % aller verfügbaren Plätze. Die Schere zwischen Bedarf und Angebot ist eklatant: UNHCR hatte 2,9 Mio. Flüchtlinge als besonders schutz- und resettlement-bedürftig eingestuft, aber weniger als 3 % von ihnen wurden umgesiedelt. Dies ist nicht nur ein quantitatives Scheitern, sondern ein politisches Signal, denn der Rückzug der USA hat Symbolkraft auf andere Staaten und gefährdet Resettlement als zentrale Säule der globalen Schutzpolitik und Verantwortungsteilung.

Zum anderen entfielen über 90 % der repatriierten Flüchtlinge auf nur drei Länder: Afghanistan (1,9 Mio.), Syrien (1,3 Mio.) und Sudan (651.500). Auch bei den repatriierten IDPs konzentrierten sich vier von fünf Fällen auf nur drei Länder: Demokratische Republik Kongo (3,6 Mio.), Sudan (2,9 Mio.) und Syrien (2,0 Mio.) – gefolgt von der Ukraine (579.000) und Myanmar (415.000). UNHCR betont allerdings im Bericht, dass ein erheblicher Teil der Rückführungen bzw. Abschiebungen nicht auf Freiwilligkeit basierte oder unter sicheren Bedingungen stattfand. Viele Afghan*innen kehrten etwa infolge restriktiver Abschiebepolitiken aus Iran und Pakistan zurück, syrische und sudanesische Menschen in Regionen, in denen Infrastruktur fehlt und Sicherheit nicht gewährleistet ist (S. 43-44). Rückführung unter solchen Bedingungen ist kaum als „dauerhafte“ Lösung zu werten, da Gefahren fortbestehen sowie Unsicherheit und erneute Vertreibung drohen.

Dies wirft eine grundlegende Frage auf, die über den Bericht hinausgeht: Erleben wir gegenwärtig den Beginn einer neuen Dekade der Repatriierung? In den 1990er Jahren kam es bereits zu einer Dekade der Repatriierung, als nach dem Ende des Kalten Krieges Millionen Menschen in Herkunftsländer zurückgeführt wurden, oft unter fragilen Bedingungen und mit teils verheerenden Folgen. Aus diesen Erfahrungen ist bekannt, dass politisch motivierte Rückkehrprozesse ohne Sicherheit und ausreichende Reintegrationsperspektiven keine „dauerhaften“ Lösungen darstellen, sondern das Leid der Menschen verlagern und verlängern.

 

Einordnung und Ausblick

Der lang erhoffte Rückgang der globalen Vertreibungszahlen nach mehr als einem Jahrzehnt kontinuierlichen Anstiegs könnte auf den ersten Blick als positives Signal gewertet werden. Doch die Gesamtentwicklungen relativieren dies: Der Rückgang beruht primär auf Repatriierung, vollzogen größtenteils unter Druck und in fragile Verhältnisse hinein. Fluchtursachen sind nicht behoben. In der ersten Hälfte des Jahres 2026 zeichnen sich bereits neue, massive Krisenherde ab, etwa die Konflikte in Iran und im Libanon, erneute Verschlechterungen der Situation in Mali und Sudan und die anhaltenden Konflikte weltweit.

Besorgniserregend sind hier auch die finanziellen Kürzungen humanitärer Hilfe, die UNHCR und weitere humanitäre Organisationen im Flüchtlingsschutz vor drastische Herausforderungen stellen. Im Global Trends Bericht wird dies nur am Rande erwähnt. So verweist der Bericht in einer Bildunterschrift zu einem Bildungsprogramm für Rohingya in Malaysia beiläufig darauf, dass Budgetkürzungen 2025 zu einem Rückgang der Einschulungsrate um 30 % und zur Schließung eines Lernzentrums geführt haben (S. 42). Dies steht exemplarisch für eine weitaus umfassendere Krise.

Was der Bericht nicht adressiert ist, dass sich der genehmigte UNHCR-Jahresetat für 2025 auf 10,6 Milliarden US-Dollar belief, jedoch lediglich rund 3,9 Milliarden verfügbar waren. Es kam also zu einer Unterfinanzierung von 71 %. Der ehemalige UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, fasste die Lage im Oktober 2025 prägnant zusammen: „The last time we had less than $4 billion was in 2015, when the number of forcibly displaced people was half of what it is today.“

Die Folgen sind unmittelbar spürbar: Bis Ende 2025 musste UNHCR knapp 5.000 Stellen, also ein Viertel der Gesamtbelegschaft, abbauen und rund 185 Büros weltweit verkleinern oder schließen. Gelder für Gesundheitsmaßnahmen wurde im Vergleich zu 2024 um 87 % gekürzt, weswegen etwa 13 Mio. Geflüchtete – darunter 6,3 Mio. Kinder – ohne lebensrettende Gesundheitsversorgung blieben. Ursächlich für diesen Einbruch sind massive Kürzungen westlicher Geberstaaten, insbesondere der USA, die traditionell rund 40 % des UNHCR-Budgets trugen.

Diese Finanzierungskrise ist kein zufälliges Phänomen, sondern – wie Grandi betonte – das Ergebnis politischer Entscheidungen mit verheerenden humanitären Konsequenzen. Sie trifft ein System, das ohnehin seit Jahren chronisch unterfinanziert ist, in einem Moment, in dem die Bedarfe so hoch sind wie nie zuvor.

Dringend notwendig bleibt die Rückkehr zu globaler Verantwortungsteilung für menschenrechtsbasierten Flüchtlingsschutz, wofür sich die Staatengemeinschaft im Global Compact on Refugees 2018 selbst verpflichtet hat. Die aktuelle Lage, in der Geflüchtete kaum Zugang zu dauerhaften Lösungen haben, immer länger im Exil bleiben müssen, aber zugleich unzureichend Schutz erhalten, weil das humanitäre System systematisch ausgehöhlt wird, offenbart ein fundamentales Versagen der Staatengemeinschaft gegenüber den schutzbedürftigsten Menschen unserer Zeit.

 

Zitiervorschlag:

Krause, Ulrike; Segadlo, Nadine: Globale Trends zu Flucht und Asyl im Jahr 2025. FluchtforschungsBlog, 18. Juni 2026, https://fluchtforschung.net/globale-trends-zu-flucht-und-asyl-im-jahr-2025/, DOI: 10.59350/hyme9-6ry12.

Share this post

Facebook
Twitter
LinkedIn
XING
Email
Print

Subscribe to our free RSS feed: